EDITORIAL

Willkommen auf der vorläufigen Webseite von Screenshot - Texte zum Film. Bis unsere neue Homepage steht, bieten wir hier Infos und Berichte rund um die Film- und Kinowelt.

Harte Kerle auf dem diesjährigen Max Ophüls Preis hat Redakteur Bernd Zywietz ausgemacht.

Ciprian David wurde high bei Michael Glawoggers überdrehter Drogenkomödie "Contact High" - jetzt auf DVD.

Christian Moises macht sich und uns von Gilles Deleuze einen Begriff, anhand des Drei-Disc-Interviews „ABÉCÉDAIRE – Gilles Deleuze von A bis Z“ - jetzt im Handel.

Elisabeth Maurer über Ursula Meiers bemerkenswertes Debüt: "Home" mit Isabelle Huppert jetzt auf DVD.

Science-Fiction-Experte Bernd Perplies empfielt den neuen "Star Trek"-Film von JJ Abrams.

"Kick it - Zwei wie Feuer und Wasser" ist die mexikanische Fassung der Slumdog-Millionäre, findet Ciprian David. Jetzt auf DVD.

Jetzt im Kino:

Jason Reitmans brillante Tragikomödie "Up in the Air", den Maximilian Miguletz empfiehlt.

Claudia Bosch gibt eine Wettervorhersage zum aktuellen Animationsfilm „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ ab.

"Sherlock Holmes", der schlechteste Film von Guy Ritchie seit langem. Findet Dennis Vetter.

Und Terry Gilliams "Das Kabinett des Dr. Parnassus". Schon auf dem Münchner Filmfest waren unsere Redakteure Rauscher und Mühlbeyer bgeistert...
Außerdem auf unseren Seiten: Ein Interview mit Terry Gilliam! Unser Redakteur Harald Mühlbeyer hat den Kino-Fantasten getroffen - und er hat ein Buch über Terry Gilliam geschrieben, das im Januar zum Kinostart von Gilliams neuem Film "Das Kabinett des Dr. Parnassus" erscheint. Sie können bequem in unserem Amazon-Online-Shop vorbestellen!

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Viel Spaß!

"Plastic Planet" im Orfeo's Erben

Am Sonntag, 21. Februar, wird um 19 Uhr im Frankfurter Kino Orfeo's Erben Regisseur Werner Boote seinen Dokumentarfilm "Plastic Planet" vorstellen.

"Plastic Planet" zeigt die Welt des Kunststoff - und das bedeutet: die ganze Welt, unsere Welt, die zugemüllt ist, in der in jedem Stück "unberührter" Natur irgendwo ein Teil Plastik zu finden ist. Boote bereist die Erde, sucht nach Kunststoff, findet alle möglichen schädlichen Bestandteile im Plastik - und weiß am Ende eben doch keine Lösung für ein besseres Dasein.

Oder doch? Im Orfeo's Erben steht er zur Diskussion über seinen Film und sein Thema zur Verfügung.

Lost in Recession: Jason Reitmans "Up In The Air"

von Maximilian Miguletz

USA 2009, Regie: Jason Reitman; Buch: Jason Reitman, Sheldon Turner (Roman: Walter Kim); Kamera: Eric Steelberg; Musik: Rolfe Kent; Produktion: Jason Reitman, Ivan Reitman, Jeffrey Clifford, Daniel Dubiecki.
Darsteller: George Clooney (Ryan Bingham), Vera Farmiga (Alex Goran), Anna Kendrick (Natalie Keener), Jason Bateman (Craig Gregory), Amy Morton (Kary Bingham), Melanie Lynskey (Julie Bingham), J.K. Simmons (Bob), Sam Elliott (Maynard Finch), Danny McBride (Jim Miller), Zach Galifianakis (Steve), Chris Lowell (Kevin).
Verleih: Paramount
Laufzeit: 110 Minuten
Kinostart Dtl.: 04.02.2010



Sie heulen, betteln, fluchen, sind verzweifelt, frustriert, traurig, schmeißen Stühle um, manche drohen mit Selbstmord, manche planen Rache: Menschen, denen gekündigt wird. Ryan Bingham reagiert eher milde. Er verliert allerdings auch nicht seinen Job, aber trotzdem wird sein Leben in seinen Grundfesten erschüttert. Er atmet schnell und schwer, sein Puls steigt, seine Augen werden feucht, er versucht angestrengt die Fassung zu wahren. Warum? Weil er „geerdet“ werden soll. Weil er das Reisen aufgeben und „nach Hause“ kommen soll. Aber was nutzt eine Heimat, wenn man nur 43 miserable Tage im Jahr dort ist und willentlich jede private Bindung gekappt hat?

In „Up In The Air“ mimt George Clooney eine Art Blaupause für den perfekten modernen Berufstätigen. Ryan Bingham ist flexibel, mobil, professionell. Und ein Virtuose in Sachen Packen. Er hat das Leben aus dem Koffer optimiert und zu seiner Lebensphilosophie stilisiert. Für seine Firma reist er durch die Vereinigten Staaten, um dort einzuspringen, wo den Bossen der Wirtschaftswelt die Cochones fehlen: Er übernimmt leidige Entlassungsgespräche. Außerdem bringt er sein Credo vom ungebundenen Dasein bei Tagungen unter die Leute. Bei all dem wirkt Ryan Bingham in sich ruhend, souverän, zufrieden in der Situation. In einer der vielen Hotel-Lounges trifft er einen „Ryan mit Vagina“. So spricht die toughe Business-Frau mit dem männermäßigen Vornamen Alex (Vera Farmiga) von sich selbst. Beide lernen sich beim Kreditkartenvergleich am Hotel-Tresen kennen und beginnen eine Affäre ohne Verpflichtungen. Versaute Screwball-Momente.

Dann soll aber Schluss sein mit dem Leben „Up In The Air“. Seine Firma engagiert die junge Uni-Absolventin Natalie (Anna Kendrick). Und die will „sein“ Geschäft revolutionieren. Gekündigt werden soll ab sofort konstengünstig per Videokonferenz. Den rasenden Rausschmeißern droht so die Heimkehr in den beschaulichen Schoß der Firma. Ein Grauen für Ryan. Seine letzte Chance auf einen Trip: Unterricht für die Neue. Er soll ihr die Entlassungsbranche aus erster Hand näherbringen. Als sich Ryan scheinbar zum ersten Mal seit Jahren länger als zehn Minuten mit Mitmenschen beschäftigt, werden seine Überzeugungen von den beiden Frauen Natalie und Alex herausgefordert.

Jetzt noch etwas von Peter Gabriels „Solsbury Hill“ und fertig ist „die feel good-Komödie des Jahres“? Weit gefehlt. Viele witzige Momente in einem Film bedeuten nicht, dass hier flauschiges Haha-Kino über die Leinwand flimmert. Natalie, Alex und vor allem Ryan sind zutiefst tragische Figuren. Dennoch verlässt der geneigte Lichtspielhausbesetzer „Up In The Air“ nicht zerschmettert und desillusioniert. Mit etwas Zuckerwatte ausstaffiert inszeniert Jason Reitman seinen dritten Film als überraschend und überragend wirkungsvolle Tragikomödie.

Im Kern wird hier von Ryan, seinem Leben ohne Bodenhaftung und seiner Suche nach dem eigenen Platz in dieser Welt erzählt. Zahlreiche pointierte Verweise auf aktuelles Weltgeschehen machen daraus aber einen feinsinnigen Diskurs über moderne Kommunikationsarmut trotz überbordender Kommunikationsmöglichkeiten sowie die jetzige politische und ökonomische Lage. Direkten Bezug erhält der Film, wenn Jason Reitman authentische Interviews mit Entlassenen einarbeitet, für die er tatsächlich gefeuerte Menschen gewinnen konnte. Sie reagieren, wie sie bei ihrer Kündigung reagiert haben oder gerne hätten. Teils harter Tobak, führt man sich die Tragweite dieser Erfahrung vor Augen.

Reitman begann seine Adaption von Walter Kirns Roman vor „Thank You for Smoking“ und „Juno“ in einer Zeit, in der die globale Wirtschaft noch in Ordnung schien. Mit der Rezession schrieb er das Drehbuch um und reagierte auf die Weltwirtschaftskrise. Was ein Glück, meint dieser zynische Kritiker. „Up In The Air“ ist auf der Höhe der Zeit und von maximaler Relevanz. Stückchenweise werden traurige Geschehnisse und Schicksale aufgedeckt, ohne dabei auch nur eine Minute zu schwermütig zu werden. So können Zuschauer drei famose Darsteller, geschliffene Dialoge und humorvolle Momente genießen, außerdem aber ein treffendes Spiegelbild vieler essentieller Aspekte unserer Zeit.

Warum Bogart nicht gekifft hat, oder “Contact High” – The Good, the Bad and the Bag


von Ciprian David


Österreich / Deutschland / Polen / Luxemburg 2009
Regie: Michael Glawogger. Drehbuch: Michael Glawogger, Michael Ostrowski. Kamera: Attila Boa, Wolfgang Thaler. Produktion: Erich Lackner, Nicolas Steil, Peter Wirthensohn, Ursula Wolschlager.
Darsteller: Michael Ostrowski, Raimund Wallisch, Detlev Buck, Georg Friedrich.
Länge: Hauptfilm 95 Min / Extras 43 Min
Anbieter: Euro Video
Im Verkauf ab: 15.01.2010

„Contact High“ ist kein Drogenfilm, denn das ist zu leicht, zu uninteressant, gesteht Drehbuchautor Michael Ostrowski in einem unter den Extras auf die DVD gepacktem Interview. Gleichzeitig wird er als der zweite Teil einer geplanten „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ Trilogie erklärt, Nachfolger der „Nacktschnecken“. Nach der Zuwendung zum radikalen Dokumentarfilm („Workingman's Death“ 2005) und dem Sozialdrama („Slumming“ 2006) kehrt Michael Glawogger mit einem albernen Produkt also ins Reich des „It’s all about the feeling“-Films zurück.

Es geht um eine Tasche. Carlos (Jeremy Strong) ist sie abhanden gekommen, also muss sie von seinem österreichischem Mann Harry (Detlev Buck) aus Polen wieder zurückgebracht werden. Solange man aber einen Untertan hat, macht man es nicht selber und so lässt sich über Schorsch (Georg Friedrich) und dann über Mao (Pia Hierzegger) und das Duo Max Durst (Michael Ostrowski) und Johann „Hans“ Wurst (Raimund Wallisch) rasant eine trophische Gangster-Pyramide zeichnen. Natürlich müssen die letzteren alles erledigen. Damit es aber auch gelingt, fahren Harry und Schorsch hinterher und überwachen das Ganze vor Ort. Was dabei fehlen darf, aber nicht muß, sind Drogen an jeder Ecke und ein blinder-schwarzer-Albino-Seher-Schamane-Berater von Carlos. Carlos, nochmal, ist der Gipfel dieser Pyramide, aber das hat wenig Relevanz.

An dieser Stelle muss davor gewarnt werden, dass diese Inhaltsangabe sich keinen Anspruch auf Vollkommenheit leisten kann. Denn, wie der Schauspieler Raimund Wallisch (wieder in den DVD Extras) erklärt, der Film spielt in Mexiko City und es geht um eine Tasche aus Polen.

„Contact High“ ist inhaltlich vor allem Zitatenkino. Der bereits erwähnte Berater ist David Lynch entlehnt. Ebenso die doppelte Negation der Sprache aus „Twin Peaks“, das Rückwärts-Gesprochene rückwärts abgespielt, das hier durch Drogenrausch ein neues, verfremdetes, höchst fragwürdig unter dem Wort „Sinn“ zu beschreibendes Etwas erhält. Über Zitate verläuft der Film weiter, über Gilliam, die Coen-Brüder und nicht zuletzt Tarantino, gar Bogart wird zum Schluss der Aufklärung entgegengesetzt (natürlich als subkulturelles Derivat und zwar von polnischen Polizisten, die richtige Schweine sind), und zudem noch so viele andere Anspielungen, vergessen oder unbemerkt.

Was der Film mit der Filmgeschichte macht, macht er auch mit der Geographie. Eine Hypertextualität besitzend wie sonst nur der Ort, wo dieses Wort sich zuhause fühlt, zieht sich „Contact High“ aus unsichtbaren Registern ein Repertoire heraus, das Globalisierung beispielhaft vertreten kann: Polen, Österreich, Südamerika, China, eine Concierge von den Philippinen, ein Flair, das dem Balkan Ehre macht und, nicht zuletzt, ein Müllhändler aus Pakistan prallen am selben Ort (natürlich der Leinwand, wie in allen Filmen) aufeinander. Denn Müll, wie der Film (selbstreflexiv) erklärt, bedeutet 2500% Profit. Mit Sprachen geht es natürlich ebenfalls.

Wie das alles möglich ist, wie eine Handlung so sehr in den Hintergrund treten darf, wie so viele sonst so typische Fragen zu einem Film hier keine Stelle finden, das hat uns schon (und es wird unter so viel Schrillem vielleicht unbemerkt bleiben) ein alter Meister verraten: „Pour faire un film, il vous fait obligatoirement une fille et un pistolet“. Das fehlt „Contact High“ natürlich nicht. Und was die Fragen angeht, davon macht er keinen Gebrauch, es gibt nur Antworten.

Eine Szene führt dem Zuschauer vor, was „Contact High“ ausmacht. Sie spielt sich ab in einem Hotel in Warschau namens „Blaue Krone“, ein Name, der auf Polnisch angeblich gut klingt. Nach einer Übernachtung in diesem Hotel, während welcher das Mobiliar im gemieteten Zimmer geschrumpft ist, entdecken Max und Johann für sich die Schönheit des Foyers: die Schmetterlinge auf den Tapeten, das Vogelbild mit dem fallendem Wasserfall, die Plastikkirschblüten in der Vase, der Papst mit der Guadalupe (unklar ob er ihre Hände küsst oder was anderes macht) und als Höhepunkt, die Relief-Uhr mit den Wölfen und dem Mond in einem Bild. Laut Max wahrscheinlich eines der besten Dinge, die er jemals gesehen hat. Ein Foyer, das genauso zusammengestellt ist wie der Film, und das in der Welt des Films perfekt Sinn macht. Ein Foyer, das den Unterschied zwischen der Darstellung von Rausch und der von Kitsch verschwinden lässt. Dadurch schafft es das Foyer natürlich nicht zum Camp, dafür aber der Film. Und wie Max in diesem Foyer ergeht es dem Zuschauer im Kino, die einzige Sünde von „Contact High“ ist dabei die Anmaßung, von den bereits über die Leinwand geflogenen Bildern zu viele wiederbelebt zu haben, sie mit ihren Pendants auf der Audioebene versehen zu haben und alles als Ganzes dem Zuschauer nochmal zuzumuten.

Der Begriff des Contact High besagt, dass Rauschzustände empathisch auf andere Personen übertragen werden können. Und genau das macht der Film mit seinen Zuschauern: zunächst über die aus Brötchen, Keksen oder Eintopf heraussprudelnde, glitzernde Farbigkeit, die nach und nach die Filmwelt erfüllt, die Ort und Zeit in konventionellem Sinne auf den Kopf stellt und sie allein dem schrillen, bunten, sich verbreitenden Rausch unterordnet, bis hin zur konkreten Dekonstruktion der Umwelt des Films. Contact High wird zum Prinzip der Wahrnehmung, die uns in einer polnischen Disco die Menschen aus Max’ Perspektive erleben lässt, oder Tapetenvögel und -schmetterlinge um uns im Dunkel des Kinosaals zum Fliegen bringt. Ja, bevor wir uns an dem Prinzip als Handlungsträger gewöhnen können, stehen wir als Publikum unter seiner Wirkung. Eben: Ein Film über das „Feeling“.

Was die DVD leider nicht anbietet sind die in den sehr guten (wenn auch vielleicht auf die Dauer ermüdenden) Interviews versprochenen Versionen des Films, die Actor’s Cuts, zusätzlich zum Director‘s Cut.
Was der Film bietet: Die berühmte „Pulp Fiction“-Tasche. Es brauchte „Contact High“ um herauszufinden, was da drinnen steckt, denn hier wird sie auch aufgemacht. Es ist der Rausch, verehrte Damen und Herren, der Rausch, mit dem man, vor allem nach diesem Film, aus dem Kino geht.


Sie können diese DVD bequem in unserem Online-Shop bestellen.

Aus Alt mach Neu - Star Trek (2-Disc Special Edition / Blu-ray)

von Bernd Perplies

Star Trek
USA 2009. Regie: J. J. Abrams. Darsteller: Chris Pine (Kirk), Zachary Quinto (Spock), Karl Urban (McCoy), Leonard Nimoy (Spock Prime), Eric Bana (Nero), Bruce Greenwood (Christopher Pike), Zoe Saldana (Uhura), Simon Pegg (Scotty), John Cho (Sulu), Anton Yelchin (Chekov)
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Länge: 127 min.
Bonusmaterial: Audiokommentar, BD-Life-Content, Wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist (HD), Casting (HD), Eine neue Vision (HD), Raumschiffe (HD), Aliens (HD), Planeten (HD), Ausstattung und Kostüme (HD), Ben Burt und die Sound von Star Trek (HD), Musik (HD), Gene Roddenberrys Vision (HD), Entfernte Szenen, Sternenflotten-Raumschiff-Simulator, Gag-Reel, Trailer
Erscheinungsdatum: 02.11.2009



Wer hätte das gedacht? Kirk, Spock und McCoy tun’s noch einmal auf der großen Leinwand. Dabei waren sie doch bereits 1991 am Ende von „Star Trek VI – Das unentdeckte Land“ mit Fanherzen erwärmender Geste „bis zum Sonnenaufgang“ geflogen. Und nach dem finanziellen Flop des The Next Generation-Kinofilms „Nemesis“ schien das Ende des cineastischen „Star Treks“ ohnehin besiegelt. Doch dann kam J. J. Abrams, und mit ihm kam ein Wort, das seitdem durch viele Franchises geistert: Reboot. Zurück auf Anfang und noch mal von vorne. Das erste der neuen Abenteuer der Classic Crew gibt es nun auf Blu-ray zu bewundern.

Die Handlung stammt aus der Feder von Alex Kurtzman und Roberto Orci, die zuvor etwa die Drehbücher zu „Die Insel“, „Mission Impossible III“ und „Transformers“ verfasst hatten. Das merkt man praktisch sofort: Das neue „Star Trek“ ist jung, actionreich, sexy, mal mehr, mal weniger witzig und schert sich die meiste Zeit nicht wirklich um Plotlogik, solange es dem Tempo und den Schauwerten zugute kommt. Das wirkt bisweilen wie ein „Star Wars“-Film im anderen Gewand, und nicht ohne Grund haben spitzfindige Fans im Internet bereits den Inhalt von „Star Trek“ und „Star Wars – Episode IV“ in gleichen Worten und parallel montierten Bildern erzählt. Aber der Reihe nach …

Die Handlung

Im Jahr 2387 – das erfährt man aber erst in Rückblenden (beziehungsweise etwas ausführlicher im bei Cross Cult erschienen Begleit-Comic „Countdown“) – wird die Heimatwelt der Romulaner durch eine Supernova zerstört. Nero, der romulanische Captain eines Bergbauschiffes, gibt wahlweise Spock, den Vulkaniern oder gleich der ganzen Föderation die Schuld daran, lässt sein Schiff in einem geheimen Flottenstützpunkt experimentell aufrüsten und reist dann, zugegeben nicht ganz freiwillig, durch ein schwarzes Loch in die Vergangenheit. Dort, im Jahr 2233, trifft er auf die U.S.S. Kelvin und zerstört diese. An Bord befinden sich auch die Eltern des just in diesen Augenblicken geborenen James T. Kirk. Während die Mutter mit Klein-Jim entkommt, stirbt der Vater den Heldentod.

Durch Neros Eingreifen wird die Zeitlinie verändert, und eine parallele Zeitlinie entsteht (was die Autoren als Kniff verwendeten, um ihren Reboot in den bisherigen Kanon einzubinden, ohne daran etwas dauerhaft zu verändern). Kirk wächst als junger, vaterloser Rebell auf, der von der Sternenflotte nicht viel hält, bis er eines Tages nach einer Schlägerei in einer Bar von einem alten Freund seines Dads, Christopher Pike, ins Gewissen geredet bekommt. Es folgt ein rascher Streifzug durch Akademietage, die Kirk mit McCoy, Uhura und Spock zusammentreffen lässt – nicht immer unter den besten Umständen, denn gerade der menschliche Rabauke und der halbvulkanische Pedant kommen anfangs überhaupt nicht miteinander klar.

Die Wege der Protagonisten führen 2258 letztendlich auf Pikes Raumschiff, der neu in Dienst gestellten U.S.S. Enterprise, zusammen, als ein Notruf vom Vulkan eintrifft und alle verfügbaren Raumschiffe mit Kadetten besetzt (oder zumindest deren Besatzungen durch sie verstärkt) werden müssen, weil die reguläre Flotte natürlich an völlig anderer Stelle viel Wichtigeres zu tun hat. Nach 25 Jahren ist Nero wieder aus der Versenkung aufgetaucht und beabsichtigt nichts Geringeres, als die Heimatwelt von Spock zu vernichten. Die junge Besatzung – darunter auch der Pilot und Fechtmeister Sulu und der wissenschaftliche Wunderknabe Chekov – nimmt den Kampf gegen den Wahnsinnigen auf, in dessen Verlauf Kirk nicht nur dem eigenwilligen Ingenieur Scotty, sondern auch einem „alten Freund“ begegnet.

Der Film


Eins muss man Abrams neidlos zugestehen. Es ist ihm wirklich gelungen, „Star Trek“ ins 21. Jahrhundert zu bringen. Die Effekte sind hervorragend, der visuelle Stil wird von Farbfiltern, Lensflares und einem rasanten Schnitt-Tempo beherrscht, wie man es von modernen Actionfilmen eben erwartet, und die Ausstattung von der Uniform bis zur Brückenkonsole fühlt sich einfach echt an. Mitunter leider zu echt. Manch Zuschauer mag sich gewundert haben, warum der Maschinenraum der Kelvin und auch der Enterprise wie eine Fabrikhalle (inklusive Betonfußboden) anmutet. Genau deshalb, weil diese Szenen aus Kostengründen in Fabrikhallen gedreht wurden. Angesichts der Tatsache, dass uns diese Enterprise womöglich noch einige Filme lang begleiten wird, wäre hier etwas mehr Liebe zur Set-Ausstattung wünschenswert gewesen.

Das Ensemble liefert praktisch durch die Bank eine eindrucksvolle Vorstellung ab. Chris Pine gibt den zukünftigen Raumschiff-Captain ebenso schlagkräftig wie mit jungenhafter Nonchalance. Zachary Quinto gefällt als Sohn zweier Welten, der auch in dieser Zeitlinie spürbar mit seinen Gefühlen zu kämpfen hat. Und Karl Urban lässt den guten Doktor McCoy auf eine Weise wieder auferstehen, die einen glauben lässt, er sei vom Geist DeForest Kelleys beseelt worden. Einzig Simon Pegg als Scotty interpretiert die Rolle deutlich exaltierter als seinerzeit James Doohan, aber selbst das ist in meinem Augen in Ordnung, denn die ganze Besatzung ist irgendwie jünger, wilder und aufgeregter als ihre Vorgängerinkarnation. Das entspricht einfach dem heutigen Zeitgeist.

Störender sind einige Handlungsmomente, über die man immer wieder stolpert. Warum sich manche Fans über die „Rote Materie“ aufregen, will sich mir nicht völlig erschließen (es gab schon ganz andere Dinge bei „Star Trek“). Ich frage mich eher, warum Nero 25 Jahre lang Däumchen gedreht hat, bevor er Vulkan angriff. Warum Spock Kirk einfach auf einem Eisplaneten aussetzen kann, ohne dass irgendjemand in der Besatzung gegen diesen de-facto-Mordversuch Einspruch erhebt (und gibt es keine Arrestzellen in dieser Zeitlinie?). Warum die Innenraumgestaltung von Neros Schiff so jedem Sinn und Zweck zu entbehren scheint (außer bedrohlich auszusehen). Und wie es möglich ist, dass ein Kadett, dem noch ein Verfahren wegen Betrug anhängt, binnen einer Woche zum Ersten Offizier und dann zum dekorierten Raumschiffcaptain aufsteigt. Solche Fragen kann man sich stellen. Oder man denkt nur „Transformers“, zuckt mit den Schultern und genießt die Show.

Die DVD


Die mit einem der beliebten Wendecover versehene Blu-ray ist hervorragend ausgestattet. Die hohe Bildauflösung kommt zwar aufgrund der zumeist unruhigen, überstrahlten und gefilterten Bilder oft nicht ganz zur Geltung, dennoch ist der Eindruck, der sich etwa auf der Brücke oder im Weltraum einstellt, hervorragend. Darüber hinaus steckt man als Zuschauer akustisch wirklich mitten im Geschehen drin. Das merkt man vor allem in Kampfsequenzen, in denen es aus allen Lautsprechern rumst und scheppert.

Das Bonusmaterial ist erfreulich umfangreich und lässt für den Fan, der hinter die Kulissen schauen möchte, kaum Wünsche offen. Auf der ersten Scheibe findet sich ein Audiokommentar von Regisseur J. J. Abrams, den Produzenten Bryan Burk und Damon Lindelof sowie den Drehbuch-Autoren Alex Kurtzman und Roberto Orci. Auf der Habenseite gibt es hier zu verbuchen, dass die Jungs wirklich viel zu erzählen haben. Leider manchmal alle gleichzeitig, was der Verständlichkeit nicht immer zugute kommt. Theoretisch sollte es außerdem BD-Live-Features geben, die allerdings allem Anschein nach nicht realisiert wurden (zumindest war auf meinem Player nur ein „Coming Soon“-Hinweis).

Auf dem zweiten Silberling finden sich dann diverse, in HD produzierte Dokumentationen. In zehn Featurettes wird auf die unterschiedlichen Aspekte der Produktion eingegangen. „Wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist“ (16:41) erzählt davon, wie es zu dem Reboot kam. Das „Casting“ (28:53) beschreibt die Suche nach einer neuen, alten Crew. „Eine neue Vision“ (19:31) für das „Star Trek“-Universum wird im gleichnamigen Beitrag entworfen, wobei interessanterweise „Star Wars“ explizit als Vorbild genannt wird. Die Gestaltung der „Raumschiffe“ (24:33), „Aliens“ (16:30), „Planeten“ (16:10) und der „Ausstattung und Kostüme“ (9:22) wird dann in immer kürzer werdenden Kapiteln behandelt. Dabei kommen leider die Effekte an sich etwas zu kurz. Gerade die Arbeit von ILM wäre im Detail für den Fan höchst spannend gewesen. Interessant sind auch die Kapitel zum Akustischen – „Ben Burt und die Sounds von Star Trek“ (11:45) sowie „Musik“ (6:28). Diese für das Kino so wichtigen, aber in Dokus immer wieder sträflich vernachlässigten Tätigkeitsfelder hätten auch hier noch etwas länger sein dürfen. Den Abschluss bildet „Gene Roddenberrys Vision“ (8:47).

Darüber hinaus finden sich noch neun „Entfernte Szenen“ mit optionalem Audiokommentar sowie ein „Gag Reel“, dessen Humor allerdings zu forciert wirkt, um zu wirken. Ein Trailer zum Film sowie der „Sternenflotten-Raumschiff Simulator“. mit dem man von außen die 3D-Modelle der Enterprise sowie der Narada betrachten kann, runden das Bonusmaterial ab. Besitzer einer WebCam können zuletzt auf www.experience-the-enterprise.com die Enterprise durch ihr Wohnzimmer fliegen lassen. (Was bei meinem Mac allerdings irgendwie nicht funktionierte.)

Fazit: „Star Trek“ mag vielleicht nicht ganz das sein, was sich mancher Fan erhofft hat, aber der Film ist zweifellos deutlich besser, als zu befürchten war, auch wenn die humanistische Vision zugunsten des Popcorn-Feelings etwas gelitten hat. Den direkten Vergleich mit früheren Kinofilmen (die auch zumeist keineswegs frei von seltsamen Handlungsmomenten oder nicht ganz geglücktem Humor waren) muss er jedenfalls nicht scheuen. Und wenn man den Film zum wiederholten Male anschaut, merkt man durchaus, dass man sich immer mehr für ihn zu erwärmen beginnt. Die sympathischen Darsteller und die tolle Optik machen es einem leicht. Und die hervorragende Blu-ray-Edition macht es möglich.

Sie können die BluRay–2 Disc-Edition und die normale DVD bequem in unserem Online-Shop bestellen!

Vom Leben in und mit Begriffen – Das ABC nach Gilles Deleuze

von Christian Moises

„ABÉCÉDAIRE – Gilles Deleuze von A bis Z“
Ein Film von Pierre-André Boutang. Konzeption und Interview: Claire Parnet.
3 DVDs im Digipack, codefree, PAL, Farbe, 453 Min.
Französische OF, deutsche Untertitel (optional), deutsches Voice-over (optional).
64stg. Booklet.
Eine Koproduktion mit Zweitausendeins,
hrsg. von Valeska Bertoncini und Martin Weinmann.


„Mich dagegen interessieren Begriffe. Mir scheint, dass Begriffe für sich selbst existieren und eine Art Eigenleben haben. Sie sind wie unsichtbare Geschöpfe. Aber das heißt auch, dass man sie erschaffen muss. Ich glaube, dass die Philosophie eine schöpferische Kunst ist, nicht weniger als Malerei oder Musik: sie erschafft Begriffe.“
(Gilles Deleuze)

Als sich im Winter 1988 im Erdgeschoss eines Gebäudes in der Rue de Bizerte im 17. Arrondissement von Paris eine junge Journalistin, ein Dokumentarfilmer und drei Techniker (Kamera, Ton, Licht) einfinden, um mehrere Stunden lang einem distinguierten, ergrauten Herrn in einem rosafarbenen Shetland-Pullover zu lauschen, zu versuchen, den Bewegungen seines Denkens mit allen Sinnen zu folgen und dies für die Nachwelt festzuhalten, sind sich alle bewusst, dass sie (TV-)Geschichte schreiben werden. Eine Geschichte, deren Ereignishaftigkeit aber eher in dem Was als in dem Wie begründet liegt.
Nachdem die Idee schon gute zwanzig Jahre im Raum schwebte, war es Claire Parnet (die Journalistin) und Pierre-André Boutang (der Regisseur) endlich gelungen, einen der originellsten Denker des 20. Jahrhunderts, den Philosophen Gilles Deleuze, dazu zu überreden, sich dem Blick der Kamera auszuliefern, das eigene, bewegte Abbild dem 16mm-Filmstreifen anzuvertrauen. Bedingung allerdings: dass die Aufnahmen erst nach seinem Tode den Blicken der (TV-)Öffentlichkeit preisgegeben werden.

Nachdem Deleuze sich jahrelang hartnäckig jedem Fernsehgespräch verweigert hatte, war klar, dass dieses späte, einem Wunder gleichende Einverständnis konzeptuell honoriert werden musste. Mit dem Vorsatz, „Deleuzianische Begriffe mit Biographemen von Deleuze zu kreuzen“, wie sie es Jahre später in einem (auszugsweise im Booklet abgedruckten) Gespräch formuliert, schuf Claire Parnet schließlich die strukturelle Grundlage für das siebeneinhalbstündige Dokument, das nun unter dem Titel „ABÉCÉDAIRE - Gilles Deleuze von A bis Z“ von absolut MEDIEN in Koproduktion mit Zweitausendeins auf drei DVDs veröffentlicht worden ist. Und dieses „Abécédaire“, diese bewegt-bewegende Fibel entpuppt sich tatsächlich als das: als Einstieg in das (Wieder-)Lesen von Deleuze, als audio-visuelles Lernbuch für Deleuze-Anfänger und Fortgeschrittene, das in erstaunlicher Klarheit die wesentlichen Begriffe, oder mit einem Deleuze’schen Neologismus: die Begriffspersonen des französischen Poststrukturalisten zu neuem Leben erweckt.

Von „A wie Animal“ über „B wie Boisson“ und „C wie Culture“ bis zu „Z wie Zigzag“ – jeder Begriff, mit dem Claire Parnet, ehemalige Studentin und später gute Freundin von Deleuze, ihren Mentor konfrontiert, gibt den Anstoß für eine Reise, die sich vielleicht am besten mit den Worten Arnaud Villanis beschreiben lässt, die dieser über ein – in Anspruch und Tragweite – wahrhaft ungeheures Unterfangen in Buchform formuliert hat, das Deleuze zusammen mit Félix Guattari 1980 veröffentlicht hat: „Von Tausend Plateaus sprechen, heißt auf […] ein Abecedarium nach Art einer Fibel, einen Almanach voller Anspielungen, Kniffe, neuer Gedanken und Wendungen hinweisen. Tausend Plateaus lesen, heißt sich in ein Labyrinth begeben und unbekannten Meridianen folgen.“ Auch das ABÉCÉDAIRE sehen/hören heißt: sich in ein Labyrinth, eine babylonische Bibliothek zu begeben, unbekannten Meridianen zu folgen, sich einem „Almanach voller Anspielungen, Kniffe, neuer Gedanken und Wendungen“ gegenüber zu stellen.

Und doch: niemals scheint Deleuze die Orientierung zu verlieren, sich ins Ungefähre oder gar Gefällige zu flüchten. Mit bewundernswerter Prägnanz reiht er, einem Ariadnefaden gleich, Gedanken um Gedanken aneinander, um souverän durch das selbstgeschaffene Labyrinth zu führen. Ein Labyrinth, das mit seinen vielfältigen Fluchtlinien, Ein- und Ausgängen, seinem Prinzip der Konnexion und der Heterogenität mehr und mehr selbst die Form eines Rhizoms aufzuweisen scheint –auch einer dieser zentralen Deleuze/Guattari-Begriffe: „Ein Rhizom hat weder Anfang noch Ende, es ist immer in der Mitte, zwischen den Dingen, ein Zwischenstück, Intermezzo“ (Tausend Plateaus).

Deleuze, der sich selbst einmal als Fels bezeichnet hat, der allenfalls innere Bewegungen vollziehe, lässt sich sogar von den materialbedingten Unterbrechungen (alle etwa 11 Minuten ist ein Rollenwechsel nötig, der durch das Klatschen Boutangs, das jeden neuen Take einleitet, abgeschlossen wird) niemals aus dem Konzept bringen – eine Art akademischer Gelassenheit, die er sich in den turbulenten Jahren als Dozent an der Université Paris 8 in Vincennes angeeignet haben mag. Der Kamera scheint ganz darauf aus zu sein, diesen inneren Bewegungen zu folgen, genauer: den Bewegungen, wie sie im Gesicht, den Gesten, den Händen mit den berühmten Deleuze-Nägeln ihr Echo finden, äußerliche, physische Bewegung werden. Zuweilen, wenn auch selten nimmt sie zu Beginn eines neuen Takes die Züge von Parnet in den Blick, die sich im Spiegel im Hintergrund abzeichnen, um sogleich zu Deleuze zurückzukehren, mal Distanz wahrend, mal zögerlich die Nähe suchend. Die Nähe dieses doch schon von Alter und Krankheit gezeichneten Mannes (wenige Jahre später wird er sich in dieser Wohnung das Leben nehmen), dessen Blick von einer Seite zur anderen wandert, kurz die Augen seines Gegenübers, niemals aber das Auge der Kamera fixiert.

Und tatsächlich: In diesem Zusammenwirken von theoretischen Reflexionen und kostbaren biographischen Notizen (denen er jedoch konsequent jeglichen Wert abspricht, wie allem Privaten, das nur ins Mittelmaß führe, in der Literatur wie in der Kunst allgemein) glaubt man endlich zu begreifen, was Deleuze damit meint, wenn er davon spricht, dass das Denken den Denker quasi aufsucht, sich ein Gefäß, eine Hülle sucht, um sich entfalten zu können. So wie es sich Ende der Sechziger Deleuze und Guattari gesucht und zu Freunden gemacht hat, damit diese kurze Zeit später mit ihrem „Anti-Ödipus“ dem Familialismus der Psychoanalyse, der das Unbewusste unter das ödipale Dogma, die Trias aus Vater, Mutter und Kind zwingt, den Kampf ansagen, um den Wünschen, dem Begehren ein freies Spiel zu ermöglichen. Oder wenn er das Konzept der absoluten Territorien, der Deterritorialisierungen und Reterritorialisierungen des Denkens aus der Ethologie herleitet. Oder was es mit dem Begriff des Werdens auf sich hat, der einem immer wieder, in allerlei Komposita begegnet: Tier-Werden, Kind-Werden, Sprache-Werden, etc. Was es heißt, diese Sprache bis an die Grenze zu führen, wo sie zu stottern beginnt. Oder…

Und ja: es ist auch verdammt unterhaltsam, diesem regen alten Mann, der mit übereinander geschlagenen Beinen in diesen gutbürgerlich anmutenden Räumlichkeiten sitzt, in denen er viele Jahre „auf der Lauer lag“ (Claire Parnet) und etwa wenige Jahre zuvor seine epochale, zweibändige Taxonomie des Films („Cinéma 1“ und „Cinéma 2“) verfasst hat, zuzusehen und zu hören, wie er mit leicht metallischer Stimme über die Bedeutung des letzten Glases für den Alkoholiker oder über das Wesen der Zecke philosophiert, wie er seiner Leidenschaft für Tennis, Kochsendungen und (man staune!) Benny Hill offenbart – oder sich über die Intellektuellen (zu denen er sich nicht zählt) mokiert, die immer und überall über alles reden und reden. Wie etwa Eco: „Was man auch fragt: Volltreffer! Als wenn man auf so ein Dingsda drückt…“

Zu den technischen Details: das Material kann seine Bestimmung für die Fernsehausstrahlung nicht verhehlen (tatsächlich ist es bereits buchstabenweise auf arte ausgestrahlt worden, nachdem Deleuze sich mit dem Gedanken anfreunden konnte, sich bereits zu Lebzeiten wie der Held eines Fortsetzungsromans im TV wöchentlich wiederkehren zu sehen), aber: who cares? Zusätzlich zu den sorgfältigen deutschen Untertiteln findet sich auf den DVDs eine ansprechende, von Hanns Zischler und Antonia von Schöning gesprochene Voice-over-Tonspur. Die von Valeska Bertoncini und Martin Weinmann besorgte erste deutsche Edition verfügt zudem über ein deleuzianisch-rhizomatisch angelegtes Booklet mit zahlreichen Querverweisen und Vernetzungen, die, mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit verfolgt, womöglich ein ganzes Hochschulstudium ersetzen könnten.


Diese DVD können Sie bequem in unserem Online-Shop bestellen!